Mendoza und die Anden

Moin,

so - der letzte Reisebericht muss noch nachgeholt werden!

Am vergangenen Wochenende reifte die Überlegung, sich doch mal die Anden anzugucken, bevor ich diesen Teil des amerikanischen Kontinents verlasse.

Sonntag ging's dann mit Chase und Dean, zwei US-Jungs aus meinem Wohnheim, zum Busbahnhof von Buenos Aires, Tickets kaufen. Ein paar Stunden später waren wir dann wieder da - zum Losfahren gen Mendoza :-)

Mal wieder lagen also 15h im Bus vor mir/ uns. Auch wenn die Sitze in der "cama ejecutivo" wirklich business class-Niveau haben, bin ich nicht wirklich auf mehr als vielleicht zwei Stunden Schlaf gekommen *seufz* Nicht schön.

In Mendoza wurde mir der Morgen dann gleich von einem typisch argentinisch unfreundlichen Taxifahrer vermiest, der mich anpampte, weil ich seine Autotür seinem Verständnis nach nicht zart genug geschlossen hatte (und nein, ich hatte sie wirklich nicht mit Wucht zugeknallt). Es ist wirklich an der Zeit, dass ich hier wegkomme - irgendwann schlage ich wirklich mal zu. Aber nicht die Tür... *knurr*

Im Hostel hingegen war man nett zu uns - und die Gegend war auch sehr angenehm; eine klassische "Freßgass" :-) Diverse Restaurants und Bars. Ok, das Personal in selbigen war genau so schnarchig und unfähig wie in den meisten anderen Läden hier auch - aber immerhin, es sah nett aus.

Bald nach unserer Ankunft machten wir uns dann auf zu den Termas Cacheuta. Zunächst ging's zu Fuß zum Busbahnhof zurück, wobei uns ein ernst dreinblickender Hund begleitete, als würde er zu uns gehören.
Am Terminal dann zum entsprechenden Schalter durchgefragt, wo's die Bustickets zur immerhin ca. 45min entfernten Therme geben sollte. Dort folgte dann ein weiteres Paradebeispiel für argentinische Serviceorientierung: "Hallo, wir hätten gerne Tickets zu den Thermen" "Gibt keine mehr, den ganzen Tag ist alles ausverkauft" "..?" "Ja" "Gibt es vielleicht eine Alternative, da hin zu kommen..?" "Nein" "Toll, danke".
An der Tourisauskunft war man netter und wies uns auf die Möglichkeit hin, ein Taxi zu nehmen - natürlich ungleich teurer.
Als wir noch grübelten, sprach uns dann ein Typ an, der vorgab, von 'nem Hostel (bzw. der YHA Mendoza) zu sein - als special promo könnte man uns zu den Thermen fahren. Der Preis war ok und wir hatten außer dem Taxi keine Alternative. Uns war allerdings ziemlich mulmig - besonders vertrauenerweckend wirkte der Typ nicht. Aber die Tatsache, dass er eifrig versuchte, uns irgendwelchen Hostelübernachtungen und Ausflüge anzudrehen, überzeugte uns dann einigermaßen davon, dass er uns wirklich transportieren und nicht kidnappen wollte.
Gut. Knappe Stunde später dann in der Therme angekommen. Lage: Phänomenal, mitten in den vorderen Ausläufern der Anden. Publikum: hordenweise Familien (war'n Feiertag...), fast keine Ausländer. Ausstattung: viele unterschiedliche Pools, eine kaputte Rutsche und ein bisschen Gedöns für kleine Kinder. Was mir ein Rätsel bleibt, ist, wie man den gesamten Boden (sowohl den der Becken als auch alles drumherum) aus "rohem Beton" machen kann. Als ich einmal aus Versehen mit der Hand über den Boden geschliffen bin, habe ich mir ein ordentliches Stück Haut etc. vom Finger gerissen. Lecker.

Naja, haben dann den ganzen Tag rumgegammelt - die Jungs wollten partout nicht auf mich hören und die Sonne meiden. Der von mir prophezeite Sonnenbrand stellte sich dann auch gleich am Abend ein - Schadenfreude ist doch die schönste Freude...
Um sechs sollten wir dann wieder abgeholt werden. Um sechs war keiner da, ebenso nicht um viertel nach sechs, um halb sieben und um viertel vor sieben.
Leicht nervös werdend fragte ich dann gerade am Eingang nach Alternativen nach, als ich von einer Dame mittleren Alters angesprochen wurde, ob ich nicht vielleicht drei Bustickets bräuchte. Sie hätte gerade Freunde getroffen und wollte mit denen zurück in die Stadt. Glück muss man haben. Als wir dann gerade gen Bus dackelten, kam unser "Chauffeur" dann doch noch - und wir konnten die Tickets tatsächlich wieder in unser Geld umtauschen und kamen nach Hause.

Am Dienstag dann war ein Tagesausflug in die Anden eingeplant. Dazu kann man eigentlich nicht viel schreiben - es war einfach sehr, sehr beeindruckend. Aber da lasse ich lieber die Bilder sprechen.

Am Mittwoch ging der Tag mit Rafting los. Auf der Skala von 1 (leicht) bis 6 (wahnsinnig) war unser Gletscherfluss mit 3+ eingestuft. Und hell yeah hat das Spaß gemacht! :-) Kurzes Briefing (welche Kommandos zum Paddeln - und was zu tun ist, wenn man aus dem Raft fliegt/ fällt) und ab dafür! Auch hier empfehle ich wärmstens das Bildmaterial :-)

Danach wollten wir eigentlich "Zip-Lining" machen. Das war allerdings leider genau an dem Tag wegen Wartungsarbeiten nicht möglich (sprich, das Ding war kaputt...). Stattdessen könnten wir aber "Trekking" machen. Alles klar - bisschen wandern zum Abschluss geht klar.
Tja - Pustekuchen. Als uns Geschirre wie beim Bergsteigen angelegt wurden, schwante uns, dass das doch nicht besonders entspannen würde.
Wir gingen schnurstracks auf eine ca. 60m hohe Felswand zu. Seitlich dran hochgeklettert/ -gewandert - und dann ging's wieder runter, via Abseilen! Bilder hab ich leider keine - kann nur auf Bilder bei google verweisen. Die Aussicht war der Wahnsinn - und so bin ich doch noch zu einer gehörigen Runde Adrenalin in Argentinien gekommen! Bei den beiden Jungs war's nocht etwas extremer: Chase hat Höhenangst und sowohl er als auch Dean haben so etwas noch nie gemacht. Ich hatte ja zumindest eine gewisse Vorkenntnis dank Fallschirmspringen/ Bunjeejumping/ House Running... :-)

Der Tag war auf jeden Fall genial. Tja, und abends ging's dann auch gleich wieder in den Bus, wieder mal gute 15h Heimfahrt. Diesmal konnte ich immerhin etwas mehr schlafen, auch wenn die Klimaanlage ständig zwischen stickig-heiß und eiskalt wechselte...

Jetzt muss ich noch endlich meine Ausgaben für den Trip zusammensortieren - und dann bleiben noch ZEHN Tage, bis ich wieder im Flugzeug sitze. Ich freu mich drauf.

Hoffentlich schaffe ich's bis dahin noch, die eine oder andere Tangostunde zu nehmen und ordentlich Bife de lomo zu futtern. Vorgestern war ich noch mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim in einer All-You-Can-Eat-Parilla (Grill-Restaurant). Oh Gott, danach war ich zwar 115 Pesos ärmer und konnte mich nicht mehr bewegen, aber war extrem zufrieden :-)
Und gestern ging's zu Monique, die mit Helen zum Abschiedsgrillen/ -trinken geladen hatte. Die Leute waren cool, das Fleisch mal wieder ein Traum und die Drinks lecker. In meinem Fall gipfelte der Abend dann routinemäßig in "meinem" Freitagabend-Club.
Danke an die Mädels für die Einladung - war ein sehr gelungender Abend!

Heute den ganzen Tag ausgeschlafen bzw. vor'm PC gehockt - auch mal angenehm :-)

Ach ja, und eine Klausur steht noch aus. Details :-) Mal gucken, ob ich irgendwo rauskriegen kann, was ich für die letzte Klausur und diverse Hausaufgaben/ Präsentationen für Noten bekommen habe. Irgendwie interessiert die Studenten hier nicht, was sie für Noten bekommen... Argentinische Apathie - ätzend.

Gute Nacht! :-)

4.12.11 04:10

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Monika (6.12.11 15:23)
Das war ein toller Andenurlaub. Ich habe deinen Bericht mit Hingabe gelesen. Jetzt schaffst du die letzten Tage mit Links. Mach nur noch schöne Dinge und hau die letzten Tage richtig rein.

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